Odysseus hätte eine Maske getragen

Ein Kommentar zum Podcast „Die sogenannte Gegenwart“

von Paul Weinheimer

 

Was für die einen eine sakrale Errungenschaft darstellt, ist für die anderen das neue Symbol gesellschaftlicher Unfreiheit: Die Corona-Maske führt seit dem Beginn der Pandemie zu einer Polarisierung. Maske, ja oder nein? – das scheint für beide Lager immer schon beantwortet. Ihr Selbstverständnis lässt ihnen keine Wahl mehr. Und so stehen sie sich in einem Kampf gegenüber: Auf der einen Seite die Hohepriester im feinsten Maskenstoff, auf der anderen der widerständige Freiheitskampf, der sich der Maskenschau verweigert. Hier Maskenstolz, da Maskenwut. Während der Maskenstolz durch die moralische Vormachtstellung das „Richtige“ zu tun entsteht, ist die Maskenwut Zeugnis einer Rebellion gegen das staatliche Diktat. 

Klar ist in jedem Fall, dass die Corona-Maske nicht bloß Schutzkleidung ist, sondern auch ein Objekt mit Symbolkraft.

Bearbeitung Bild: Elisabeth Boßerhoff
Bearbeitung Bild: Elisabeth Boßerhoff

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Zur Berechenbarkeit der Zukunft

von Tim Burschyk

 

Der gläserne Mensch. Es ist soweit, der Algorithmus weiß mehr als du. Unser Alltag wird durchsichtig und vorhersagbar. Jedes Smartphone ist ein unermesslicher Datenschatz. Auf der Grundlage unseres täglichen Verhaltens kann statistisch unser zukünftiges Verhalten vorhergesagt werden. Beispiele finden sich überall. Nur, wenn es um Gefühle geht, können die Daten uns Menschen nicht beschreiben. Gefühle sind unberechenbar. Denkst du – bis Parship dir die Liebe deines Lebens vermittelt.

Abb. 1: Langzeitbelichtung eines Doppelpendels
Abb. 1: Langzeitbelichtung eines Doppelpendels

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Dialektik des Reisens

von Art W. Krüger

 

Auf die Frage, weshalb er niemals gereist sei, hatte mein Großvater einmal geantwortet: „Wozu? Das kann ich mir doch im Fernsehen angucken.“ Die Pandemie ist vorbei und abertausende Deutsche drängen wieder in die entferntesten Länder: uniformierte Trackingarmeen überwinden Breitengrad um Breitengrad in überfüllten Flugzeugen der billigsten Airlines.

Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.
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Über die Selbstpositionierung

von Simon Gumprecht

 

In nicht unbedeutenden Teilen der Sozialforschung, insbesondere in der qualitativen Sozialforschung, gibt es seit einigen Jahrzehnten die Konvention vor einem Forschungsvorhaben eine sogenannte „Selbstpositionierung“ zu schreiben. Hier soll der Forscher seine eigene, vor allem persönliche Perspektive auf das zu Erforschende durchsichtig machen und reflektieren. Das ist freilich ein wissenschaftliches Anliegen. Der Forschungsbericht soll die Forschung nachvollziehbar machen, und die vorausgesetzte Perspektive der Forschung selbst ist offenbar ein integraler Bestandteil dieses Anliegens.

Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.
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Die Plage der Politischen Philosophie

von Simon Gumprecht

 

Gibt es überhaupt etwas zu sagen? Die internationalen Superstars der Philosophie, die sich in der sogenannten Öffentlichkeit zu Wort melden, haben sich vor allem mit wahlweise Banalitäten oder Absurditäten lächerlich gemacht. Man wird sich an Agamben erinnern, der die gegenwärtige Covid-19 Pandemie mit der gewöhnlichen Grippe verglich, und die staatlichen Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung als thanatische Mobilisierung der Toten diskreditierte.

Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.
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entre – 'zwischen'

von Catalina Rueda

 

Die Komposition entre 'zwischen' von Catalina Rueda ist in der Prothese #2 (S. 90 – 95) abgedruckt. 

PartitaTROPE

von Tristan Xavier Köster

 

Das Stück Partita TROPE von Tristan Xavier Köster ist in der Prothese #2 (S. 96 – 101) abgedruckt. 

Das Ende der Welt

von Art W. Krüger

 

Apokalypse-Stimmung wohin man sich wendet. Nur mein REWE um die Ecke ist noch „jeden Tag ein bisschen besser“. Jede Woche aufs Neue wird uns das Ende der Welt prophezeit: Das u.s.-amerikanische Zeitalter sei mit Trump vorbei, die EU sei mit dem Brexit Geschichte, der Klimawandel werde unsere Welt zerstören. Der Narzissmus, der darin enthalten ist, die heimliche Freude, schreit uns in den Medien an: Sie sagen uns, was wir wissen wollen: Wir seien die letzten (noch?) glücklichen Menschen. Weltuntergangsfilme waren schon immer hoch im Kurs. Heute gibt es sie überall umsonst.

Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.
Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.

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Hoffentlich letzte Gedanken zu Donald Trump

von Simon Gumprecht

 

 Eine Ewigkeit scheint es schon her zu sein, dass Trump aus seinem goldenen Palast via Rolltreppe zum gewöhnlichen Volke herabglitt, um zu verkünden, er werde der größten Nation der Welt zu alter Stärke zurück verhelfen. Obwohl seit dem viel passiert ist, neben Trumps rassistischen und sexistischen Ein- und Ausfällen vor allem der Generalskandal, der darin bestand, dass Trump tatsächlich gegen den Willen der Spitze seiner Partei die Vorwahl gewinnen konnte, kann ich mich sehr gut an diesen Moment erinnern. Denn ich war sofort von diesem orangenen Mann, der auf die Frage, was er mit seiner Tochter gemeinsam habe, antwortet: „Sex“, euphorisiert.

Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.
Hamburg Facades, Fotoreihe, Prothese #1, 2016.

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